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Mal eben so nebenher

Mittwoch, Februar 6th, 2008

In einer Werbepause gefunden.
Damals bei NEON eingestellt.
Jetzt hier:

Als im Februar 2003 die Raumfähre Columbia beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verunglückte kamen alle sieben Astronauten an Bord ums Leben, und das bemannte Raumfahrtprogramm der NASA wurde einmal mehr in Frage gestellt. Von veralteten Maschinen war die Rede und unzureichender Sicherheit.
Das Resultat war, daß die alten Damen der Raumfahrt, die Space Shuttles, erst einmal am Boden blieben und ordentlich überholt werden sollten. Kommissionen wurden gebildet, Fehlerquellen gesucht, Verbesserungen entwickelt und manch einer sah das Programm bereits als beendet an.

Jetzt, nach zweieinhalb Jahren intensiver Arbeit sind 12 der 15 größten Sicherheitsprobleme behoben, wenn auch nur durch Modifikationen und Behelfslösungen, und das Schwesterschiff Discovery soll am Mittwoch, den 13.7., vom Weltraumhafen Cape Canaveral aus in Richtung ISS starten. Selbst im Vorfeld auftauchende Mängel scheinen diesen Start nicht mehr zu gefährden, so wie die am Dienstag aufgetretenen kleineren Schäden am Hitzeschild – eben solche Schäden gelten als Ursache der Columbia-Katasrophe – wurden in höchster Eile ausgebessert und nun stehen nach offiziellen Angaben alle Zeichen auf „GO“, solange das Wetter mitspielt.

Doch wofür das alles? Kritiker behaupten immer wieder gerne, die ganze Idee „Space Shuttle“ wäre überholt, selbst die Raumfahrt an sich sollte, berücksichtigt man die Probleme unserer Welt, ruhen und das Geld in andere Projekte fließen. Sicher, in die Raumfahrtprogrammen von NASA und ESA werden Unsummen an Geld investiert, ob bemannt oder unbemannt, aber wie ist es mit den Erkenntnissen die wir daraus gewinnen können? Überwiegen diese nicht, kann man deren Wert überhaupt vergleichen?
Die Projekte der Raumfahrt, sind solche mit unglaublichen Missionszielen und unvorstellbaren Zahlen, die eigentlich direkt aus einem Roman von Jules Verne entsprungen sein könnten. Da werden Kometen in 134 Millionen Kilometern Entfernung mit „Projektilen“ beschossen um kosmischen Staub zu untersuchen, Missionen zu fremden Planeten unternommen, und gerade vor ein paar Wochen hat die Raumsonde Voyager 1 die Grenzen unseres Sonnensystems erreicht und befindet sich jetzt in ca. 14 Milliarden Kilometern Entfernung zu unserer Sonne. Kein anderes von Menschen gebautes Objekt ist je weiter entfernt gewesen. Und auch die bemannten Missionen der NASA sind mehr als nur ein Prestige-Objekt der USA, bedenkt man das gemeinschaftliche Projekte wie die ISS oder das Hubble-Teleskop maßgeblich von den Space Shuttles abhängen.

So bleibt bei mir am Ende der Gedanke, daß die Raumfahrt ein gutes Beispiel dafür ist, daß Menschen Grenzen durchbrechen können, seien es nun technische Grenzen oder Grenzen zwischen den Menschen. Viele der Projekte sind internationale Kooperationen und die gewonnenen Erkenntnisse werden allen Menschen Einblick in das All und vielleicht auch die Entstehung des Lebens ermöglichen. Und dann eines Tages vielleicht wird es irgendwo eine berechtigte Hoffnung geben, das wir uns nicht gegenseitig in die Luft jagen, sondern unsere Einzigartigkeit erkennen und diese respektieren lernen. Raumfahrer berichten nach ihrer Rückkehr häufig davon, daß der Anblick der Erde aus dem All, ihre Einstellung zum Leben radikal geändert hätte. Wissenschaftler nennen dies den distanzierten Blick der Erkenntnis“, einem gemischten Gefühl aus eben dieser Einzigartigkeit des Lebens auf der Erde und der absoluten Unbedeutung „irdischer Probleme“. Ist es nicht ein wenig davon, was wir alle brauchen?

Eine verklärte und romantische Haltung, die arg nach Star Trek und ähnlichem klingt? Vielleicht, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen …

Original „veröffentlicht“ am 14.07.2005