Auch früher mal geschrieben und jetzt wiederentdeckt.
Das ist Liebe! ;)
Lieber Leser, liebe Leserin,
der Einfachheit halber möchte ich vorweg nehmen:
Der folgende Text ist voller Selbstüberschätzung, übertriebener Selbstbeweihräucherung und verblendetem Lokalpatriotismus. Jawohl! Nicht jedermanns Sache? Wohl wahr. Wem das aber paßt, der ist herzlich eingeladen -mit einem zwinkernden Auge- zu verbleiben.
Etwas mehr als vier Jahre ist es nun her, daß mich das Schicksal, oder vor allem der Wunsch eines eigenen Lebens, aus dem elterlichen Haushalt in die garnicht ferne Stadt Köln verschlug. Auch ich war einst ein “Unwissender” der durchaus von der Qualität Kölns als abendliches Ausflugziel angetan, aber von dem Gefühl ein Kölner zu sein noch unberührt meine Kisten und Kartons in die Stadt am Rhein brachte. Doch während viel Wasser eben diesen runtergeflossen ist, hab ich die Seiten Kölns und der Kölner schätzen gelernt. Und das war so…
Die Stadt und die Veedel – Der Kampf um die Million
Mal ja – mal nein, saisonale Wechsel knabberte lange Jahre am Status der “Millionenstadt Köln” und böse Zungen sprechen immer wieder von Eingliederung weiterer Gemeinden um den Status zu festigen. Wie auch immer, die offizielle Zahl (Stand 31.12.04) besagt, daß es 1.022.627 Kölner und Kölnerinnen gibt, und Köln damit zu den vier Millionenstädten in Deutschland gehört – Missionsziel erreicht, der Kölner kann wieder ruhig schlafen! Doch weitaus mehr als um diesen Status, kämpft Köln um den Status “Weltstadt”.
Und auch hier ist der Erfolg nicht von der Hand zu weisen. Großveranstaltungen wie die Kölner Lichter oder der Kölner Karneval, das Ringfest und nicht zuletzt der CSD locken Jahr für Jahr mehr Menschen nach Köln, bei den diesjährigen Kölner Lichtern vor zwei Wochen waren es z.B. eine knappe Million Menschen – Rekord für Köln, Rekord für Deutschland. Eine ebenso große Zahl an Besuchern wird im August erwartet, wenn Köln die Jugend der Welt einlädt. Bis zu einer Million Pilger werden erwartet, wenn Papst Benedikt XVI. die Menschen am 18. August in Köln willkommen heißt. Ebenfalls einen Besucherrekord stellte die “KölnMesse” im vergangenen Jahr auf und etabliert sich immer mehr im internationalen Messegeschäft, was an den hochwertigen Messen erkennbar ist. Photokina, Internationale Möbelmesse IMM und Anuga sind nur einige der großen und wichtigen Messen, und wer wäre nicht gern Gast auf der ISM, der internationalen Süßwarenmesse?!
Das Kölsch – Ein Bier, und doch soviel mehr
“Du fragst [..] warum ich´s mag mein Bier aus Reagenzgläsern zu trinken, manchmal ohne abzuwinken…” – Wie sooft in Köln, ist das auch beim Kölsch so eine Sache, und zwar ein ganz Bestimmte. “Kölsch” darf sich nur der obergärige, hopfenbetonte Gerstensaft nennen, der in Köln und der “näheren Umgebung” gebraut wird. Das besagt die Kölsch-Konvention, welche die Kölsch-Brauer am 6. März 1986 unterschrieben haben. Demnach ist “Kölsch” nicht nur eine Brauart, sondern auch ein Herkunftsgebiet, ähnlich wie Champagner und Bordeaux. Die selbe Konvention besagt auch, daß Kölsch nur in “Stangen” ausgeschenkt werden darf. Und eben diese “Stangen” sorgen bei Neulingen und Gästen oft für verwunderte Fragen, ob es denn auch größere Gläser gäbe. Ich möchte an dieser Stelle unbedingt davon abraten diese Frage in einem Brauhaus zu stellen, das kann nur böse enden. Denn auch wenn der Kölner an sich ein friedfertiger Mensch ist, auf sein “National”getränk läßt er nichts kommen! Gäste sollten also lieber versuchen der Natur des Phänomens “Kölsch” auf die Spur zu kommen. Dazu kann ich wärmstens den “Kölner Brauhaus-Wanderweg” empfehlen, einem Stadtspaziergang, der von der Hans-Sion-Stiftung ins Leben gerufen wurde, und die Sehenswürdigkeiten der Kölner Altstadt mit Besuchen der bekanntesten und gemütlichsten Brau- und Bierhäuser verbindet.
Der kölsche Karneval
Wer kennt ihn nicht, den Kölner Karneval? Die fünfte Jahreszeit? Bitte nicht Verwechseln mit “Fasching”, auch wenn dies zufällig im gleichen Zeitraum liegt, ist tunlichst darauf zu achten: Der Kölner feiert Karneval, noch besser Fastelovend! Und das richtig. Wenn am 11. im 11. um 11 Uhr 11 auf dem Alter Markt die Session eröffnet wird beginnen turbulente Monate, in denen eine Sitzung die Nächste jagt und in der die ansässigen karnevalistischen Bands oft mehrere Auftritte an einem Tag haben. Im Frühjahr schließlich gipfelt das jecke Treiben dann im eigentlichen Straßenkarneval. Beginnend am Donnerstag, Weiberfastnacht wo um 11 Uhr 11 der Schlüssel der Stadt für die kommenden Tage an die Jecken übergeben wird. Es folgen vier Tage, in die auch der berühmte Rosenmontagszug fällt, und die mit der traditionellen Nubbelverbrennung – eine bildliche Beseitigung der Sünden der Vortage – enden. Es ist nicht möglich zu beschreiben wie es in diesen Tag zugeht, daher sollte sich jeder ein Bild davon machen kommen. Denn Karneval verstehen kann man am besten mittendrin.
Der Dom
Der Kölner Dom ist das Wahrzeichen Kölns, also DAS Wahrzeichen! Direkt an Rhein und am Hauptbahnhof gelegen begrüßt er ankommende Gäste. “Es ist als würde man direkt in den Dom fahren” sagt der ein oder andere Zuggast wenn er über die Hohenzollernbrücke einfährt.
Und die Kölner lieben ihren Dom, nicht wegzudenken ist er aus Vergangenheit und Gegenwart der Stadt. So bewegt wie das Kölner Leben ist, so bewegt war auch die Vergangenheit des Doms. Aus der einfachen Amtskirche wurde im Laufe der Zeit eine der bedeutendsten Wahlfahrtskirchen Europas. Seit auch die britischen Bomben 1943 dem Dom nicht zum Einsturz bringen konnten, wohl aber erheblichen Schaden anrichteten, wird immer weiter am Dom ausgebessert. Da ein Grossteil der Fassade aus Sandstein gefertigt ist, müssen ständig verwitterte Steine ersetzt werden. Doch Köln wäre nicht Köln wenn nicht auch dies zum Anlaß genommen würde, ein wenig Geschichte zu schreiben. So zeigen viele der neueren Domfiguren Szenen aus heutiger Zeit, durchaus auch ohne kirchlichen Hintergrund, zum Beispiel verewigte sich ein Steinmetz in dem er einen Fußballspieler in die Fassade das Doms einbrachte. Der Dom ist mit Sicherheit nicht die schönste Kirche, aber der Dom ist nunmal der Dom, und für den Kölner ist er ein Teil lebende Geschichte. Belächelt? Vielleicht. Besungen? Des öfteren. Beliebt? Aber hallo!!
Der Kölner an sich
Wie sieht er denn nun aus der typische Kölner, oder viel mehr: Was macht ihn aus?
Nun, an dieser Stelle möchte ich gerne meiner, wohl schon bekannten, Begeisterung für eine kleine, aber durchaus feine Kölner Acapella-Band, die Wise Guys, freien Lauf lassen:

“Du fragst warum ich scheinbar immer gute Laune habe,
Du fragst warum ich nie schnell renne, sondern lieber trabe.
Du fragst warum ich´s leichter finde einen Gang zurückzuschalten,
als Termine einzuhalten.”
“Du fragst warum ich manchmal viel erzähl und wenig sage.
Du fragst warum ich Samstags rot-und-weiße Sachen trage.
Und warum es mir leicht fällt auch mal über mich zu lachen,
Du fragst ziemlich viele Sachen…
Doch es gibt keinen tief´ren Sinn, es ist nur weil ich ein Kölner bin, nimm es einfach hin”
Und ich denke das ist es, was denn Kölner ausmacht: Er nimmt sich selbst nicht so ernst. Auch der Kölner weiß das nicht alles gut ist in Köln, aber er läßt sich davon nicht groß beeindrucken oder sich das Leben noch unnötig schwerer machen, denn es wird schon irgendwie klappen, “[...]solange nur der Dom steht”. Was soll er sich also ein zehntes Mal über eine verspätete Bahn ärgern, es ist doch unwahrscheinlich daß sie dadurch, wie von Geisterhand geleitet, plötzlich doch noch pünktlich kommt. Und auch noch soviel hupen ändert nichts am täglichen Verkehrschaos auf der Inneren Kanalstrasse (obwohl es immer wieder Auswärtige versuchen!). Also, zurücklehnen, Autoradio einschalten und einfach abwarten.
Und die gute Nachricht am Ende ist: Jeder kann ein Kölner werden! Denn Kölner zu sein, hat nichts mit dem Geburtsort zutun. Es ist ein Gefühl, eine Art Lebendweisheit. Und diese wird gerne an Zugezogene, die “Immis” wie sie der Kölner nennt, weitergegeben, wenn sie sich nicht eh von alleine einstellt, denn das hab ich gemerkt, kann schneller gehen als man denkt.